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Familienland Sachsen-Anhalt?

Sachsen-Anhalt ist unter den neuen Bundesländern besonders stark von Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung betroffen. So belegen die Daten des Statistischen Bundesamtes, dass in den Jahren 2003 bis 2011 die weibliche Bevölkerung um 8,7% zurückgegangen ist gegenüber einem Rückgang der männlichen Bevölkerung von 7,9%. Prognosen gehen für die Zukunft noch immer von einem weiteren Schrumpfen der Bevölkerung und einem zunehmenden Anteil älterer Menschen in Sachsen-Anhalt aus. Entsprechend ist es ein Anliegen der Landesregierung, Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männern mit Chancengleichheit in Bildung, Beruf und Familie im Lande zu überzeugen und jungen Familien Bedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von beruflicher Tätigkeit und Privatleben aufzuzeigen.

Eine im Mai 2016 veröffentlichte Studie mit dem Titel „Familienland Sachsen-Anhalt“, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) durch das Zentrum für Sozialforschung Halle e.V. an der Martin-Luther- Universität im Sommer 2015 durchgeführt und ausgewertet wurde, beschreibt mögliche Ansatzpunkte der weiteren Förderung einer guten Vereinbarkeit von Beruf und Karriere mit Familie und Privatleben in Sachsen-Anhalt.

Laut dieser Studie beschreiben vier Fünftel der Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter ihr Land als kinderfreundlich, darunter ein Fünftel sogar als sehr kinderfreundlich. Die Mehrheit der Befragten äußerte sich zudem zufrieden mit der Kinderbetreuung im Land. Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat Sachsen-Anhalt hier bereits sehr gute Bedingungen geschaffen, um von Anfang an Bildungsgerechtigkeit zu schaffen und Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. So lag im Jahr 2014 die Betreuungsquote von Kindern im Alter von 0 bis 2 Jahren bei 58% und von Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren bei 95,4%.

Bedarf für Sensibilisierung und Verbesserung besteht laut den Befragten in der FES-Studie dagegen jedoch noch immer bei der Familienfreundlichkeit der Unternehmen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Unterstützung von Vätern bei der Wahrnehmung ihrer Vaterrolle sowie bei der Unterstützung von Alleinerziehenden - zum Beispiel durch flexiblere Arbeitszeitmodelle.

Die Studie belegt außerdem nachdrücklich, dass für die Verwirklichung des Kinderwunsches besonders die verfügbaren Ressourcen wie Geld, Zeit, Wohnraum und/oder soziale Unterstützung sehr entscheidend sind. Als wichtigste Aufgabe der Familienpolitik wird deshalb von den Befragten die Existenzsicherung erachtet. Dabei sollten nicht nur Ehepaare mit Kind beziehungsweise Kindern in den Blick genommen werden, sondern ebenso Lebensgemeinschaften und Alleinerziehende. Dies umso mehr, weil in solchen Familienformen der Unterstützungsbedarf für Kinder beziehungsweise für Kinder-Betreuende oft höher ist.

Die Landesregierung Sachsen-Anhalt hat sich mit ihrem Koalitionsvertrag zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern sowie zu einem sozial gerechten Sachsen-Anhalt bekannt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bildet hier eine Schlüsselrolle und wird daher in den entscheidenden Feldern der Koalitionspolitik der Landesregierung deutlich hervorgehoben.
So hat sich die neue Landesregierung ausdrücklich zur Weiterführung des flächendeckenden und gut ausgebauten Netzes der Kindertagesstätten bekannt. Darüber hinaus ist vorgesehen, für Betriebe, die Anstrengungen unternehmen, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Frauen und Männer zu verbessern, als unterstützende Maßnahme ein Landessiegels „Familienfreundlicher Betrieb“ einzuführen.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass zuerst gute Arbeit ein wichtiger Faktor ist, um Menschen an das Land zu binden beziehungsweise für Sachsen-Anhalt zu gewinnen, stellt die Landesregierung das Bemühen um die Schaffung  beziehungsweise den Erhalt von existenzsichernden Arbeitsplätzen in Sachsen-Anhalt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. In einer Steuerungsgruppe werden die Regierungsparteien deshalb künftig die übergreifenden strategischen Aspekte des demografischen Wandels, der Fachkräftesicherung, der Familienfreundlichkeit, der Daseinsvorsorge, der Geschlechtergerechtigkeit und der Integration bündeln.

Im Rahmen der Umsetzung des "Gender Mainstreaming-Konzept der Landesregierung 2012 bis 2016" hat das Ministerium für Justiz und Gleichstellung sein 1. Gender-Forums zum Thema „Zeit für Beruf. Zeit für Familie.“ bereits im Dezember 2014 veranstaltet. Beispiele für gute Ansätze und Lösungen für die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben für Frauen und Männer in Sachsen-Anhalt aus der Sicht von Wissenschaft, Verwaltung und Unternehmen wurden vorgestellt, diskutiert und veröffentlicht.

Die Studie "Familienland Sachsen-Anhalt - Eine ZSH-Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung" können Sie über diesen Link erhalten.

2. Gender-Forum "Gender Mainstreaming versus Diversity?"

Ist es an der Zeit, Gender Mainstreaming zugunsten eines Diversity-Konzeptes aufzugeben? Sind Gender und Diversity ein Traumpaar, ein Alptraum oder sind es stabile Koordinaten in einer Vernunftehe? Welche Möglichkeiten gibt es, Gender Mainstreaming und Diversity-Konzepte miteinander zu kombinieren? Diese Fragen treiben aktuell viele gleichstellungspolitischen Akteurinnen und Akteure um. Wie will Sachsen-Anhalt künftig mit beiden Strategien umgehen? 

Während des 2. Gender-Forums „Gender Mainstreaming versus Diversity?“ am 29. Oktober 2015 im Roncalli-Haus Magdeburg konnten zu diesem Thema Wissen vermittelt und Denkanstöße geben werden. Referentin war die Gender-Expertin und Sozialwissenschaftlerin Dr. Irene Pimminger. Die Veranstaltung richtete sich vor allem an Personal- und Organisationsverantwortliche, Verantwortliche für Fort- und Weiterbildung, Verantwortliche für die Umsetzung von Landes- und EU-Programmen, Gender Mainstreaming-Beauftragte, Gleichstellungsbeauftragte sowie am Thema interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der obersten Landesbehörden und ihrer Geschäftsbereiche.

zur PPT der Referentin (PDF, 197 KB, nicht barrierefrei)

Gender-Portal mit neuen Angeboten

Das Internetportal "Chancen.Gleich.Gestalten. Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt" hält seit Jahresbeginn zwei neue Angebote bereit: die Rubrik "Statistiken", in denen Nutzerinnen und Nutzer sich interaktiv Grafiken zu 110 Einzelthemen zusammenstellen können, sowie das "Archiv Entgeltgleich" mit mehr als 2.700 aufgenommenen Publikationen unterschiedlichster Art zur geschlechterspezifische Lohnlücke.

zum Gender-Portal | zur Pressemitteilung

1. Gender-Forum "Zeit für Beruf, Zeit für Familie - Frauen und Männer im Fokus einer geschlechtergerechten Verwaltungskultur in Sachsen-Anhalt"

Das Ministerium für Justiz und Gleichstellung war am 4. Dezember 2014 Ausrichter einer Tagung zur Vereinbarkeit von Beruf und Karriere mit Familie und Privatleben in der Landesverwaltung. Das Gender-Forum richtete sich vor allem an die Personal- und Organisationsverantwortlichen der obersten Landesbehörden und der nachgeordneten Bereiche. Der Auftrag resultierte aus dem "Gender Mainstreaming-Konzept der Landesregierung 2012 bis 2016". Ziel der Veranstaltung war es, bereits erprobte Maßnahmen und Strategien einzelner Ministerien sowie ausgewählter sachsen-anhaltischer Unternehmen vorzustellen und zu diskutieren. Darüber hinaus wurde zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen bei diesem Thema informiert.

Programm | Fotos | Referate

Landesregierung beschließt "Landesprogramm für ein geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt"

Auf ihrer Sitzung am 11. November 2014 hat die Landesregierung das "Landesprogramm für ein geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt" beschlossen. Integriert sind die Schwerpunkte des Gender Mainstreaming-Konzeptes der Landesregierung 2012 bis 2016.

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